Sonntagsblatt für Steiermark   

 

Gott kommt erdwaerts
Wogendes Miteinander am 9. November im Grazer Dom
 

Er sei sonst ein nuechterner Mensch, aber es hat mich einfach gepackt, gesteht Franz Stocker, Pressereferent der Dioezese Innsbruck. Der Kompo-nist und Dirigent Peter Jan Marthe, hat eine erdwaertsmesse geschaffen. Großen Widerhall loeste die Premiere am 12. Oktober im Innsbrucker Dom aus, und es wird sich auch lohnen, bei der steirischen Erstauffuehrung am 9. November um 10 Uhr im Dom zu Graz dabei zu sein.

Peter Jan Marthe schwaermt, Menschen haben sich vom Internet die acht einfachen Gesaenge der Messe heruntergeladen und sie geuebt, um im Chor des Gottesvolkes voll mitsingen zu koennen. Am 9. November werden auch Saengerinnen und Saenger aus Öblarn und aus Irdning, dem Ge-burtsort des Komponisten, anreisen und das Volk unterstuetzen.

Eine Insel der Zeitlosigkeit schaffen durch die Wiederholungen der ganz, ganz einfachen Gesaenge, schildert Marthe. Chor, Blaeserensemble und Orgel haben einen sehr schwierigen Part zu bewaeltigen, doch die Stuecke für die Gemeinde gehen einfach zu Herzen.

Eine Kathedrale der Klaenge werde durch das Miteinander-Singen ent-stehen, hofft Peter Jan Marthe. Er kennt auch kraeftigere Ausdruecke: Normalerweise muessten bei allen die Sicherungen durchbrennen, formu-liert er etwa im Rueckblick auf Bruckner-Konzerte in Domen. Bruckner gehe an die Wurzel eines jeden Menschen, loese unglaubliche Tiefenreaktion-en aus.

Bruckners Te Deum bildet eine der Ingredienzien der erdwaertsmesse. Dazu kommen russisch-orthodoxe Motive, die moderne Lukaspassion von Krzysztof Penderecki und Taize-Melodien. Aus dieser Ineinander-Ver-schachtelung habe er, ohne die komische Beruehrungsangst, zu populaer zu werden, aber auch ohne Banalitaet eine ehrliche Geschichte komponiert, bemerkt Marthe.

Alle singen mit, in einem wogenden Miteinander, das himmelwaerts steigen kann, preist der musiksensible Wiener Pastoraltheologe Paul M. Zulehner die erdwaertsmesse. In ihr sei bestens verwirklicht, dass Liturgie Tun des Volkes sei. Der ungewohnte Name erdwaerts fuege sich gut zum gewohn-ten himmelwaerts. Alle Gottesdienste besingen das Heruntersteigen Gottes. Zulehner: Gott kommt erdwaerts. Das lässt uns Gott applaudieren, was ja das Wort laus (Lob) enthält, also Lob hin zum heruntergekommenen Gott. Das Gottesvolk juble in der Musik auf über den erdwaerts gekommenen Gott, der uns himmelwaewrts zieht.